• Franzi

Meine Geschichte: Neurodermitis- Fluch und Segen



Diesen Artikel hier zu schreiben, fällt mir nicht leicht, aber alles was ich hier schreiben werde muss raus und es will auch raus. Also zu mir, ich bin eine junge Frau, die seit 27,5 Jahren an Neurodermitis leidet. Für einige ist diese Krankheit heute als atopische Dermatitis bekannt, für diejenigen die sie gar nicht kennen ist hier eine allgemeine Definition:

Das atopische Ekzem ist eine chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit, die zu den atopischen Erkrankungen gehört. Hauptsymptome sind rote, schuppende, manchmal auch nässende Ekzeme auf der Haut und ein starker Juckreiz. Die Erkrankung verläuft schubweise und hat ein individuelles, vom Lebensalter abhängiges Erscheinungsbild.

Diese Definition gibt nur einen kleinen Einblick, was diese Krankheit bei den Betroffenen bewirken kann, deshalb möchte ich mit dir hier offen und ehrlich meine Erfahrungen teilen.


Als ich klein war nannte man diese Hautkrankheit noch Neurodermitis, deshalb benutze ich hier auch diesen Begriff. Die Bezeichnung stammt aus dem 19. Jahrhundert. Damals meinte man, die Ursache der Hauterkrankung sei eine Nervenentzündung. Später wurde diese Ansicht widerlegt, die Bezeichnung ist aber weiterhin geläufig. Ich bin der Meinung, dass diese Ansicht gar nicht so falsch war, weil die Krankheit auch sehr psychosomatisch wirkt, also die Stärke des Auftretens ist auch abhängig von dem psychischen Befinden des Betroffenen.

Wenn es mir aus psychischen Gründen schlecht ging, verschlimmerte sich meine Haut auch immer. So kam es, dass sich meine Gesundheit drastisch verschlechterte, als ich in die Schule kam. Durch den beginnenden Leistungsdruck, -ich hatte leider nicht das Vergnügen auf eine Montessori-Schule gehen zu können und war schon in der Grundschule dem Druck ausgesetzt, Leistung bringen zu müssen-, verschlechterte sich meine Gesundheit immer drastischer. Die Folge war, ich war ständig krank, nicht nur die Haut sondern allgemein mein ganzes Immunsystem war extrem geschwächt. Denn Neurodermitis gehört zu den Autoimmunkrankheiten, die durch eine übertriebene Reaktion des eigenen Immunsystems ausgelöst wird. Dabei richtet sich das Immunsystem nicht nur gegen gefährliche Krankheitserreger, sondern auch gegen beispielsweise Allergene und noch viel schlimmer, gegen die eigenen gesunden Hautzellen. Was dann passiert, habe ich bereits oben beschrieben. Oft bin ich in der Nacht aufgewacht und meine Haut am ganzen Körper hat schrecklich gejuckt, dann hat mich meine Mama oft unter die eiskalte Dusche gestellt, um die Reaktion zu mildern und meine Haut zu beruhigen.


Das Ganze ist natürlich ein Teufelskreis, weil durch das ständige krank sein, fehlte mir der Anschluss in der Schule und ich bekam noch mehr Druck, weil die anderen Schüler besser waren als ich. So kam es, dass ich von Beginn an keine Lust auf Schule und Lernen hatte und mich immer Versagensängste begleiteten. Ich fühlte mich sowieso schon aufgrund meiner Krankheit als Außenseiter und dann kam noch die nicht so guten Schulleistungen dazu. Gesundheitlich hatte das zur Folge, dass ich sehr oft Schübe bekam, also akute Hautreaktionen in Form von Ausschlägen, die aber nur temporär waren. Jedoch war ich nie völlig gesund. Zu den Ausschlägen kam noch Lebensmittelallergien, Heuschnupfen und allergisches Asthma. Das war also nicht ganz so einfach für mich, wie für gesunde Menschen. Ich wusste nie, was genau ich essen konnte und auch vertrage und was bei mir wieder eine allergische Reaktion auslösen würde. Das schlimmste aber war, auch die Ärzte konnten es mir nicht sagen. Der aller schlimmste Satz, den ich mir anhören musste war: deine Krankheit ist nicht heilbar. Ohne Hoffnung, ohne Mut, einfach aufgegeben und so fühlte es sich auch für mich an. Die Ärzte hatten mich aufgegeben. Sie sagten, Neurodermitis ist nicht heilbar, du wirst nie in deinem Leben gesund sein. Bähm, in das Gesicht eines leichtgläubigen, kleinen, verzweifelten Mädchens. Aber ich akzeptierte das nicht, denn tief in meinem Inneren wusste ich, da ist mehr, da muss mehr sein.


Die Ärzte sahen das nicht so. Ich bekam Kortison verschrieben, um den Schub zu mildern und noch ein paar andere Cremes und das wars. Kortison wirkt immunsupprimierend, das bedeutet es wirkt der übertriebenen Reaktion des Immunsystems entgegen und reduziert so den Juckreiz, dadurch steigt aber auch die Gefahr einer Infektion, weil dadurch dass die Immunwirkung gehemmt wird, werden auch die bösen Bakterien nicht mehr so stark bekämpft und die Haut wird sehr UV-Strahlen empfindlich und mit der Zeit auch immer dünner. Außerdem macht es abhängig, das heißt der Körper gewöhnt sich an die Wirkung und man braucht immer mehr davon.

Ich will Kortison nicht völlig verfluchen, weil es mir in schlimmen Phasen wirklich sehr geholfen hat. Manchmal wählt man eben das kleinere Übel, wenn das Leid zu groß wird. Zu Beginn wusste ich auch gar nicht, welche Folgen die Behandlung mit Kortisoncremes haben kann. Selbst heute weiß ich nicht, was das Kortison noch für Spuren in meinem Körper hinterlassen hat, oder welche anderen Symptome dadurch hervorgerufen wurden. Fakt ist, wenn man einen allergischen Schub hat, kann dies auch durch beispielsweise Anschwellen der Luftröhre zum Ersticken und damit zum Tod führen, weshalb schnell aus Angst vor einer zu starken Überreaktion des Körpers darauf zurückgegriffen wird, um schlimmeres zu vermeiden. Jedoch zwischen der Anwendung eines immunsuprimierenden Präparates (ob Creme, Tablette oder Spritze) oder gar nichts zu tun, liegt noch eine so unfassbar große Palette von wundervollen Möglichkeiten, den Körper zu unterstützen und selbst zur Heilung bzw. Umkehrung der Überreaktion zu verhelfen. Kordikoide Mittel wirken schnell, stark, sind krankenkassenpflichtig und sie wirken mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bei jedermann, deshalb ist es die Allzweckwaffe der Ärzte. Genau aus diesen Gründen, sind sie so beliebt. Im Zweifel, helfen sie dem Patienten erstmal. Natürlich nicht langfristig und nicht ohne Nebenwirkungen, aber für den Moment helfen sie. Wenn einem also das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit anschwillt, ist man froh über jede schnelle Hilfe.


Jedoch muss man sich nach dieser extremen Reaktion seines Körpers schon fragen: Warum hat mein Körper diese Reaktion gezeigt? Was will er mir sagen? Warum geht es mir so schlecht? Diese Fragen stelle ich mir seit Jahren, immer wieder wenn ich krank bin, egal bei welcher Art oder Form der Krankheit. Was, Körper willst du mir mitteilen? Was brauche ich vielleicht gerade, was ich mir nicht gebe? Was fehlt mir? Habe ich zu viel Stress? Höre ich nicht auf meine Bedürfnisse? Lebe ich überhaupt meine Wahrheit?


Genau an dieser Stelle kann ich aus ganzem Herzen sagen: Danke. Danke liebe Krankheit, danke mein lieber Körper, dass du mit mir kommunizierst, danke dass du mir mitteilst, dass etwas in meinem Leben gerade nicht richtig läuft und dass ich scheinbar gerade nicht in meinem Gleichgewicht bin. Ich weiß es ist eine harte Art der Kommunikation, aber nur weil ich in dem Moment genauso hart zu mir selbst bin. In den momentan, in denen meine Haut schlechter ist, halte ich meine Grenzen nicht ein, lebe nicht nach meinem Herzen, gebe mir nicht die Dinge, die ich brauche. Oft sind wir durch die Gesellschaft verroht und nehmen gar nicht mehr wahr, was uns guttut oder was schlecht für uns ist. Diese Krankheit hat es mich gelehrt und tut es noch jeden Tag. Heilung kommt von innen und du kannst sie dir selbst schaffen, denn du hast das Recht darauf vollständig gesund und heil zu sein. Also fang schon heute an und höre darauf, was dein Körper dir sagen will, denn er arbeitet für dich und liebt dich.


Om Shanti, Shanti. Shanti

Ich wünsche dir Frieden in Körper, Geist und Seele.

Deine Franzi.

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